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K&B Corpus

von etwa 1829 bis 1883
von etwa 1840 bis 1850
von etwa 1850
von etwa 1685
von etwa 1870
von etwa 1875
ab etwa 1875 bis 1932 Modell-Nr. bis 82 056
seit 1896 bis heute
von etwa 1925 bis 1850 (z.T. für Hotelsilber)
von 1933 bis 1941 Modell-Nr. 100 000 bis 900000. 800000er u. 900000er z.T. schon mit der Schlüsselmarke statt Schale

Vor drei Jahren übernahm Florian Blume die Leitung der traditionsreichen Firma Koch & Bergfeld Corpus , deren Geschichte in zahlreichen Texten erzählt wird. Durch das Auslaufen des Mietvertrages bot sich die Gelegenheit an dem neuen Standort in der Überseestadt eine neue Konzeption auszuprobieren.

Th.W.Adorno nennt in der ästhetischen Theorie das Neue einen blinden Fleck und meint, dass Tradition nicht als ein ewiger Stafettenlauf zu verstehen sei, in dem „ eine Generation, ein Stil , ein Meister dem nächsten die eigene Kunst in die Hand gäbe.“ Vielmehr gehe in die Moderne das fortgeschrittenste Verfahren der Produktion ein. Über den Zusammenhang von Tradition und Moderne ist zu reflektieren anhand der Idee einer gläsernen Werkstatt: Das Neue an ihr ist das Zusammenbringen dreier Faktoren:

  1. Das Team der Silberschmiede, die alle Techniken beherrschen müssen und von denen eine hohe Flexibilität erwartet wird.
  2. Das Material und die Werkzeuge
  3. Der Besucher der gläsernen Werkstatt.
Ferner ist neu, den Arbeitsprozess sichtbar zu machen. Das Konstruktive des Erinnerns ist den unendlichen Schatz an Werkzeichnungen, gesammelt in Folianten und die hohe Fähigkeit des Teams sichtbar auszustellen. Damit werden kostbare Traditionen in die Gegenwart überführt. So wird erinnern zum erwachen und zielt nicht auf Vergangenheit. Der Versuch der gläsernen Werkstatt kann als sinnliche Mnemotechnik des Schönen angesehen werden. Und es ist zu hoffen, dass aus dieser eigenwilligen Konfrontation von Erinnerungsspuren (Folianten , Fähigkeiten) und den Adressaten ein neues handwerkliches Bewusstsein entsteht.

von 1942 bis 1978 Modell-Nr. 1000 bis 13158
seit etwa 1975
von 1979 bis 1989 Modell-Nr. 13159 bis 14957 „CL“ steht für 150 Jahre K&B und eine Fertigung nach diesem Jubiläum
vom 1.7.1989 bis 30.4.1994 Modell-Nr. 14958 bis 15270
vom 1.7.1989 bis 30.4.1994 Villeroy & Boch
vom 1.7.1989 bis 30.4.1994 Serie „Paloma Picasso“ (Villeroy & Boch)
vom 1.5.1994 bis 31.12.2004 Modell-Nr. 15271 bis 15966 (Hansen)
seit 1.1.2005 ab Modell-Nr. 15966 (Florian Blume)

Die Arbeit des Silberschmiedes ist vielgliedrig. Er muss Meister seiner Arbeitsmittel und –bedingungen sein. Erfahrung zeigt sich im ausüben und tradieren von Fähigkeiten. Das Werkstück zeigt seine Entstehung. Es bekennt sich zu dem Hergang und befriedigt dadurch das Bedürfnis, es verstehen zu können. Das Produkt ist eine aus Erfahrungswissen entstandenes Unikat oder eine serieller Gegenstand der Manufaktur. Einmaligkeit und Wiederholung bedingen sich je nach dem Zweck. Dagegen findet in der industriellen Produktion eine Verkümmerung statt: Der Arbeiter beherrscht nicht mehr den Herstellungsprozess vielmehr wird er durch die Maschine dressiert. Seine Arbeit richtet sich gegen seine Erfahrung . Das Abeitsprodukt wirkt leer und lässt den Herstellungsprozess nicht mehr erkennen. So erscheint die Ware als phantasmagorische. Das führt dazu, dass der Konsument dieser Ware seinen Sachverstand verliert und den Gebrauchswert nicht mehr prüfen kann; er verfällt dem ästhetischen Schein der Ware.

G. Herders Satz:“Will man die Tradition beseitigen, behält man nichts als Wüste,“ wirkt in diesem Zusammenhang wie eine Prophetie. Koch & Bergfeld Corpus versucht die Zukunft zu sichern durch die Zusammenarbeit mit jungen Goldschmiedinnen wie Beryl Blume und Astrid Keller. Bereits erprobt ist die Kooperation mit der Gold- und Silberschmiede Thore Blume in Listringen, aus der Leuchttürme, Leuchter, Pfeffermühlen und Schiffsmodelle entstanden sind.

Am Beispiel der gläsernen Werkstatt ist zu sehen, dass das Traditionelle nicht das Alte schlechthin ist, noch ist das heutige ihre Fortdauer, vielmehr scheint die Moderne mit Hilfe der Tradition etwas Neues zu gründen: ihre eigene Tradition.

Jörg Henning Kokott